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Adelheid Reinbold: NOVELLEN UND ERZÄHLUNGEN 1836

 

Die weitgehend vergessene schriftstellerin adelheid reinbold (1800-1839) gehörte zum kreis um den romantischen dichter ludwig tieck. In ihrem schmalen, teilweise erst nach dem tod veröffentlichten Werk knüpft sie an tiecks bemühen an, vulgär-romantischen auswüchsen seiner zeit entgegenzutreten und wieder anzuknüpfen an die realität der gesellschaftlichen gegenwart. Sie selbst sehe ich eher als protogonistin des realismus in der deutschen literatur, eine frühe Vertreterin eines literarischen feminismus. Reinbolds weibliche hauptfiguren sind potentiell autonome menschen wie die männer und neben ihnen, deren sozial zugeschriebene rollen und qualitäten (modifikationen von "männlichkeit") sie anzuerkennen bereit sind – falls vorhanden; ein bedeutsames zwischenglied des historisches emanzipationsprozesses!

Diese frauen suchen individuelle wege, ihre natürliche, menschengemäße individualität in der von männlicher vorherrschaft und gesellschaftlichen konventionen geprägten welt weitestmöglich zu entfalten. Aber auch wenig schmeichelhafte formen der anpassung an die männerwelt werden von reinbold präsentiert.

Die requisiten der romantischen literatur (vergangene zeiten, fremde völker, unverhoffte erbschaften, plötzliche sterbefälle und verschachtelte erzählebenen) nutzt sie nicht vorrangig zur steigerung der spannung, sondern zum aufbau exemplarischer situationen. Die geheimniskrämerei romantischer erzählungen verweist bei ihr auf die grundlegende, unabänderliche relativität unserer menschlichen erkenntnis. Der welt, auch unseren mitmenschen, sollten wir uns nähern in einer achtsamkeit, die ausgeht vom geheimnis des lebens. Nur im bemühen, momente des lebens wahrzunehmen (das heißt: sie für wahr zu nehmen), können wir ihnen eventuell gerechtwerden. Jenseits aller religiösen verbrämung ist dies nicht zuletzt eine haltung der demut.

Diese neuausgabe ihrer ersten buchveröffentlichung enthält ein nachwort des herausgebers mondrian v. lüttichau.

Wiederveröffentlicht wurden bereits 2010 bei AUTONOMIE UND CHAOS die zwei novellen: 'Russische Scenen & Irrwisch-Fritze'.

 

 
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