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Irene Forbes-Mosse: PERIWINKEL UND VALLADEH

Nachdem Irene ihm ihren 1934 erschienenen Novellenband DAS WERBENDE HERZ (hier wiederveröffentlicht unter neuem Titel) gesandt hat, schreibt Karl Wolfskehl ihr am 13. April 1935:

"Sehr verehrte Frau Irene Forbes–Mosse, das, was Sie Ihr "kleines Buch" nennen, ist nicht nur in meinen Händen, sondern auch sehr, sehr in meinem Herzen! Da ich es mir vorlesen lassen muß, kenne ich es noch nicht ganz genau, und viele neue Entdeckungen stehen mir bevor. Aber schon jetzt entzückt und bewegt mich der märchenhafte Reichtum, der aus so viel sicheren und originellen Einzelzügen, so viel farbigen Tupfen, Bildern und Bilderfolgen zusammenschmilzt, die, zart und stark zugleich, in sich selber bestehen, aus sich selber zu wachsen scheinen. Was Sie alles wissen, sehen und aufspüren! Das ist nicht mehr Beobachtung oder bloßes Wissen um Charaktere, Altersstufen, menschliche Bezüge, Toilettengeheimnisse und Gastronomie: es ist bei Ihnen immer, als erfaßten Sie die geheimnisvollen Fäden, das gesamte Astralgewebe, aus dem Situationen und Begebnisse erst ihren Sinn erhalten. Alles Halbtonige, das "Zwischen", der abschattende Hauch, den der Gang der Dinge rückläßt, das Unausweichliche eines Schicksalswegs und das süße Mitfühlen des Lieblich–Unzulänglichen alles Erdendaseins: das sind die Elemente, aus denen Ihre Figuren gehoben und gestaltet sind, daraus sie wachsen und welken.

Dabei als Gefühlsstand eine warme, mitzitternde Klarheit, sie verbirgt sich und andern nicht die kleinste Falte, verbietet sich kein Lächeln und keine Ironie –– wer kann heut noch so wundervoll boshaft sein, so fein und selbstgewiß doch auch des andern, des Angeschauten Teil und Recht mit freundlichem Achselzucken wahrend, die armen, tölpischen Kinder, genannt Erwachsene, also auf ihr Getue und Getapse hin ansehen und rubrizieren! Eigentlich gilt Ihr stärkstes, Ihr ganz mitzitterndes Schauen und Erkennen ja doch jener unheimlichen, aus Frohlocken und Trübsinn gewobenen, noch halb jendseitigen Zwischenwelt kurz vor Tage. Ihre Nerina ist ein unvergeßlich kunstvolles, herzbrechend liebliches Gebilde, und wie sehr florentinisch ist alles, was sie umgibt, berückt, beruhigt, bedrängt. Und in mir wurde der wundervolle Palmerino Tag wieder wach, als ich die Seiten anhörte, in denen die warme Luft und das wortlose Verstehen den Kinderkummer sänftigen und lösen."

Von Irene Forbes–Mosse wurden bei A+C bereits zwei Bücher wiederveröffentlicht:
EIN KLEINER TOD. PROSA, LYRIK, ZEUGNISSE und DON JUANS TÖCHTER.
Beide Ausgaben enthalten biobibliographische Hinweise.
Ein weiterer Band ist in Vorbereitung, ebenfalls zur online–Veröffentlichung.

 

 
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