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Mondrian graf v. lüttichau: DIE SINNSPRÜCHE DES LI BOYANG, GENANNT LAOTSE (2019)

Neu im Januar 2019

 

Um die erste version meines versuchs einer annäherung an das 2400 jahre alte weisheitsbuch Dàodéjīng (Tao Te King) zu veröffentlichen, hatte ich 1981 den Verlag Autonomie + Chaos Heidelberg ins leben gerufen.

Mehr und mehr haben sich im laufe der jahrhunderte die bewußtseinsebenen ausdifferenziert, auf denen wirklichkeit (jenseits begrifflicher festlegungen) erfahrbar wird. In unserer zeit kann nur noch jeder einzelne an seinem platz zu machen versuchen, was er oder sie für angemessen hält. Wirklichkeitsgemäßes handeln auf eine bestimmte praxis festzulegen, ist nicht mehr möglich, denn jedes definieren trägt den keim der seit damals fortgeschrittenen verdinglichung (instrumentalisierung). Menschliche wahrnehmung und erfahrung ist ein vielfach verzweigter baum geworden; zur zeit des li boyang hatte der noch weit weniger äste, zweige, blüten und früchte. Verdinglichung und selbstentfremdung haben sich aufgebläht in einer weise, deren grundmuster li boyang 2300 jahre vor theodor w. adorno und max horkheimer beschrieben hat.

Dennoch können heutige soziale und politische konflikte zurückgeführt werden auf prozesse oder strukturen des menschlichen bewußtseins, wie sie in diesen 81 aphorismen kristallklar beschrieben werden. Alltägliche konflikte lassen sich begreifen durch DAO; von daher sind lösungen zu finden – noch heute. Diese uralten sinnsprüche sind das früheste plädoyer für herrschaftslose achtsamkeit und gegen entfremdung von der ganzheit des lebens. Allerdings müssen wir die hinweise des Dàodéjīng hinüberdenken in unsere sozialpsychologischen umstände.

Die tiefenökologische, sozialpsychologische weisheit des li boyang zeigt sich als konkrete orientierung an authentischem sein und handeln, – als gegenbewegung zu seelischer und bürokratischer verdinglichung.

Ab 2006 besann ich mich auf meine alte übertragung des Dàodéjīng, dachte nach über eine neuausgabe – da kam völlig überraschend das angebot einer veröffentlichung beim verlag Das klassische China. Jetzt entstand in schöner zusammenarbeit mit matthias claus seine bibliophile buchhandelsausgabe. Sie unterscheidet sich in wesentlichen nuancen von meiner ausgabe 1981. (Restexemplare sind über mich noch erhältlich.)

Die hier vorliegende ausgabe – wieder bei Autonomie und Chaos (online und kostenfrei) – ist nahezu textgleich mit der von matthias claus herausgegebenen version; es gibt nur einige wenige veränderungen. Enthalten sind wiederum die beiden briefe hermann schäfers (1978), hinzugekommen sind (sehr subjektive) literaturhinweise.

 

 
Merle Müller: ZEUGNISSE AUS DER RITUELLEN GEWALT (Erster und zweiter Teil)

 

Organisierte Rituelle Gewalt umfaßt physische, sexuelle und psychische Formen von Gewalt, die planmäßig und über lange Zeiträume ausgeübt werden, teilweise im Rahmen von Zeremonien / Ritualen. Die Opfer werden psychisch konditioniert, um sie gefügig zu machen für Kinderpornografie, Zwangsprostitution, teilweise auch satanistisch begründetem Morden an Babys.
Infolge der seit frühester Kindheit erfahrenen Traumatisierungen kommt es bei den Opfern häufig zur Ausbildung der Dissoziativen Identitätsstruktur (DIS, "Multiple Persönlichkeit"). Diese letzte Möglichkeit der Psyche, sich zu schützen, wird von Tätern ausgenutzt, um einzelne Persönlichkeitsanteile für bestimmte Zwecke einsetzen zu können. In diesem Zusammenhang berichten Betroffene von Konditionierungen, mit deren Hilfe "Programme" (posthypnotische Befehle oder Befehlsketten) verankert wurden (Mind Control). Auf diese Weise werden Opfer auch zu Gewalthandlungen gezwungen.
Aussagen über das Täterverhalten sind aufgrund von dissoziativer Abspaltung (Amnesie) sowie der durch Täter geschürten Drohungen, aber auch Schuld- und Schamgefühle der Opfer oft nur im Rahmen psychotherapeutischer Aufarbeitung möglich. Geheimhaltung, teilweise Anonymität von Tätern, Unbekanntheit der Tatorte und der oft große zeitliche Abstand erschweren eine strafrechtliche Verfolgung.

Merle Müller ist 40 Jahre alt, auch sie ist Viele (hat eine Dissoziative Identitätsstruktur). Seit dem dritten Lebensjahr ist sie der sexualisierten Gewalt ausgeliefert, – zunächst durch einen Großvater, dann durch den Vater, der schon das kleine Kind an Kumpane weitergegeben hat. Wie bei anderen Opfern von inzestuöser sexualisierter Gewalt gehörten neben solchen Drohungen auch Tiertötungen und darauf bezogene Morddrohungen und teufliche Doppelbotschaften zu den ersten Konditionierungen.
Konsequent wurden in der Kindheit durch die Täter dissoziative Abspaltungen (Persönlichkeiten, Anteile) "hergestellt" (im allgemeinen durch bewußt herbeigeführte Todesangst/Panik) und zu bestimmten Aufgaben konditioniert.
Merle & Co. und andere Opfer solcher Tätergruppen sind lebenslang versklavt, sie kennen es nicht anders, als daß sie Objekt sind, daß es ihr Daseinszweck zu sein scheint, die Forderungen anderer zu erfüllen. Sobald sich Widerstand regt, wird die Schraube der Folter, des Terrors mal kurz angedreht; so ist es noch heute.

Bei Merle & Co, die nur in sehr eingeschränkter Weise erwachsen werden konnte, lebt letztlich noch immer die kreatürliche, kindliche Erwartung, daß tatsächlich zeitnah geholfen wird, sobald Außenstehende von den Schrecklichkeiten erfahren und "es glauben". Demgegenüber sahen und sehen sich Merles Persönlichkeiten einer Flut von organisatorisch-administrativen Zusammenhängen und Begründungen gegenüber, die alle darauf hinauslaufen, daß Hilfe auch jetzt noch von unübersehbar vielen Bedingungen abhängt und sozusagen in den Sternen steht. Das wirkt wie Verhöhnung durch denjengen, der doch beteuert, daß er helfen will!

"Ich kann nicht verstehen, warum die mich nehmen!? Was an mir falsch ist! Was mich so billig macht! Bin ich so viel dümmer, als die anderen? Es geht nicht in meinen Verstand, wie Menschen, Kinder wie Scheiße, wie Dreck, wie Abfall behandeln, benutzen können? Ständig stelle ich mir die Frage, was ich gemacht habe? Zu böse war?" – Nele (12) war zu diesem Zeitpunkt noch in der Realität der Kindheit. Der gleichalte Anteil Doris ist dagegen bereits in der Gegenwart und erinnert sich an die Kindheit, in der sie zu anderem Zweck als Nele konditioniert wurde: "Gut vielleicht bin ich ein Spätentwickler aber das die ganzen bösen Menschen mit mir Sex machen wusste ich da nicht das es falsch ist. Eben erst jetzt durch dich. Ich erinnere an einen Satz. Das machen nur die mit dir die dich ganz besonders liebhaben! Es ging darum es keinem zu sagen weil die mich dann nicht mehr lieb haben werden sondern nur sehr böse auf mich werden."

Was Opfer von jahrelanger, seit der Kindheit bestehender sexualisierter Gewalt abhält, Hilfe zu suchen, ist bei Merle & Co. und wohl auch bei anderen Opfern nicht vorrangig die Gewalt, der sie selbst ausgesetzt sind. Es gibt andere Faktoren, die jedoch manchmal zu wenig berücksichtigt werden von HelferInnen aller Professionen. Die Überzeugung, selbst schuldig geworden zu sein, selbst böse zu sein, Hilfe nicht zu verdienen, steht an erster Stelle. Dabei spielen ungewollte sexuelle Empfindungen während der sexualisierten Gewalt eine entscheidende Rolle. Scham, die Überzeugung, Außenstehende könnten sich vor ihnen nur ekeln, aber auch die Überzeugung, sie seien genauso böse wie die Täter. Dann die jahrzehntelange Erfahrung, daß Außenstehende, deren Aufgabe das Helfen ist, nicht zuhören, nichts verstehen und fehlinterpretieren. Bürokratische Mechanismen und organisatorische Begrenzungen wirken sich aus, als steckten Täterinteressen dahinter. Zumal Täter ihnen einreden, daß niemand sich für ihr Schicksal interessiert bzw. Behörden, Polizisten zu ihnen (den Tätern) gehörten. Eine andere, kaum überwindbare Hürde sind Drohungen der Täter, Angehörigen zu schaden, sie zu töten, falls das versklavte Opfer auszusteigen versucht.

Nur in Kooperation möglichst vieler Anteile kann die Befreiung von den Tätern (durch Mithilfe äußerer Helfer) organisiert werden. Jedoch ist das dazu nötige Co-Bewußtsein, also das Auflösen amnestischer Barrieren, bei bestehender Tätergewalt nur sehr eingeschränkt möglich, da ja gerade die amnestischen Abspaltungen das seelische Überleben angesichts der tagtäglichen brutalen Gewalt ermöglicht hat; – ein Teufelskreis (nicht der einzige)!

Ein besondere Schwierigkeit liegt (wie meist zu Beginn der therapeutischen Arbeit mit Multis) darin, der bisherigen Außenpersönlichkeit die Realität der Tätergewalt zu vermitteln. Merle ist am Funktionieren eines konventionellen Alltags, an den guten, liebevollen Aspekten des Lebens orientiert, ist ihrer Tochter wertschätzend, achtsam zugewandt: "Ich will doch nur eine Mama sein." Wie sollte sie die grauenhaften Tatsachen damit vereinbaren?! "Das was ich träume, kann unmöglich wirklich sein! Das ist zu schrecklich!!!!" Andererseits war sie für lange Zeit die einzige an der Außenwelt orientierte erwachsene Teilpersönlichkeit, insofern unverzichtbar für die Organisation der Befreiung.

Die Opfer sind seit ihrem Lebensbeginn isoliert von der ganzen menschlichen Gemeinschaft – sie wissen kaum etwas von ihr, gehen davon aus, die ganze Welt ist so wie die Täter. Es ist die reale Hölle, in der sie sich fühlen. Sie können sich niemandem offenbaren. Und viele von ihnen (vor allem die kindlichen Anteile) denken, sie selbst seien schuld an dem Schrecklichen. Sie tun fast alles nur mögliche, um die Bezugspersonen zufriedenzustellen, geliebt zu werden von ihnen. Der Anführer der Tätergruppe, die Merle & Co. versklavt, läßt sich aus gutem Grund "Vati" nennen. – "Vati nimt mit Past auf läst nicht allein hat ganz lieb Mus nur lieb sein nichts Sagen dürfen fein spilen dan tut nicht so weh artig sein", schreibt ein Kinderanteil im Flashback.
Daneben gibt es noch ein anderes, genauso wirkungsvolles Druckmittel, das solche Täter ihren Opfern seit der frühen Kindheit einbleuen: die Drohung, andere zu schädigen, die dem Opfer lieb sind. Bei Merle & Co. war das zunächst ein Meerschweinchen, das der Vater vor den Augen der Siebenjährigen tötete. Später wurde eine Katze gequält, aber bald kam die Drohung: "Das was ich mit dir mache ist noch lange nicht alles! Es hört nicht auf! Keiner hilft. Du sagst kein Wort sonst tun wir dasselbe mit deiner Schwester! Das alles ist allein deine Schuld! Du wolltest es so! Sei still sonst schlitze ich dich auf!"

Wir alle entwickeln in der Kindheit und Jugend Vorstellungen von uns selbst, von anderen Menschen und von der Welt, dem Leben, die auf unseren (kindlichen) Erfahrungen einschließlich der "pädagogischen" Einwirkungen anderer beruhen (theory of mind, ToM). Wenn jemand bereits als Kind in einer nahezu hermetischen Täter-Hölle ohne auch nur einigermaßen freie Entfaltung des Bewußtseins in die Welt hinaus aufwächst, kann sich bei ihm nur eine spiegelbildliche, ebenfalls hermetische, rekursive und dichotomische theory of mind entwickeln. Dies wird in der vorliegenden Dokumentation deutlich. Auch aus diesem Grund müssen wohl nicht wenige erwachsene Opfer entsprechender Tätergruppen als hilflose Personen verstanden und entsprechend (auch gemäß SGB XII) unterstützt werden.

Viele Anteile bei Merle & Co. wollen befreit werden, würden auch aussagen vor den Strafverfolgungsgehörden – wären da nicht die Drohungen der Täter, in diesem Fall die Tochter Amelie zu töten. Seit früher Kindheit haben Täter den Anteilen bewiesen, daß sie töten können. Zuerst ein Meerschweinchen, dann eine Katze, dann das erste eigene Kind, da war Merle zwölf Jahre alt. Später andere Babys, fremde wie auch eigene.

Die Existenz der Organisierten Rituellen Gewalt wird mittlerweile kaum mehr bestritten; Strafverfolgungsbehörden verweisen jedoch auf die Schwierigkeit, beweisbare Tatbestände zu finden. Nachvollziehbar, wenn die Taten viele Jahre in der Vergangenheit liegen. Hier aber geht es um gegenwärtige, tagtägliche Schrecklichkeiten! Es geht um den Hilferuf eines Opfers an die Gesellschaft, deren zufällige Adressaten die Fachkräfte der Traumastation einer Universitätsklinik und ich sind.
Befreiung in dieser Situation erfordert die tätige Unterstützung staatlicher Institutionen. Es geht um dauerhaften Schutz für Mutter und Tochter. Das ist von einzelnen HelferInnen nicht zu leisten, hierfür bedarf es der organistoriaschen Kooperation verschiedener staatlicher und gemeinnütziger Stellen. Dies wiederum setzt zumindest grundlegende Kenntnisse über die psychische Situation entsprechender Überlebender voraus. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist, daß solche Opfer in mancher Hinsicht keine selbstverantwortlich entscheidungsfähigen Erwachsenen sind, sondern hilflose Personen. Dies auch dann, wenn einzelne dissoziative Anteile sehr kompetent sind innerhalb ihrer Aufgaben im Alltag. Hilflose Person ist allerdings nicht im Sinne einer psychischen, somatischen oder kognitiven Beeinträchtigung zu verstehen, vielmehr eher so, wie Kinder hilflos sind.

Anlaß dieser Veröffentlichung ist es, Merle Müllers Hilfeschrei einer weiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, – den Menschen die Augen zu öffnen, wie Doris mehrfach betont hat. Ist es möglich, daß in einem der reichsten Länder der Erde die öffentlichen, staatlichen Stellen solche Opfer ihrem Schicksal überlassen – oder der zufälligen und unzureichenden Unterstützung einzelner TherapeutInnen und Angehöriger? Daß das staatliche Gewaltmonopol hier nicht tätig wird? Daß die polizeiliche Aufgabe der Gefahrenabwehr hier nicht trägt?
Die Mails von Merle & Co. stehen für ungeschriebene Zeugnisse hunderter Opfer. Zu wenig, um staatliches Handeln zu rechtfertigen?

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Veröffentlichung ist es, die konkrete Situation, die Reflexion, das Empfinden von Menschen (zumeist Frauen) zu verdeutlichen, die von Tätergruppen des organisierten Verbrechens versklavt werden: Menschenhandel, Zwangsprostitution, Rituelle Gewalt, Mind Control. Das sind nicht einfach Menschen mit einer abgrenzbaren und dignostizierbaren "Störung", sondern jede von ihnen ist eine menschliche Ganzheit, die in schwer nachvollziehbarer Weise in jeder Minute um ihre Integrität, letztlich um ihr Überleben kämpft. Und dies nicht in afrikanischen oder asiatischen Kriegsgebieten oder verirrt im Dschungel, auch nicht im KZ der Nazis, sondern hier unter uns, umgeben von Mitmenschen … und doch wie unsichtbar. Im öffentlichen Diskurs kommen sie nicht (oder kaum) vor. Niemand kommt auf sie zu und reicht ihnen die Hand. Noch immer lebt tief in ihrem Innern die Überzeugung, daß "helfen" etwas Natürliches ist, ein Grundbestandteil des menschlichen Lebens, – aber es geschieht nicht. Niemand hilft, Jahr um Jahr nicht. Institutionalisierte HelferInnen wenden sich ab, sofern das entsprechende Betreuungssetting von den Betroffenen nicht genutzt werden kann oder sobald die Finanzierung ausläuft. "Wenn nicht der größte Teil der Innenpersönlichkeiten die Befreiung von den Tätern befürworten und unterstützen, ist ein Ausstieg, ist Therapie nicht möglich." So oder ähnlich steht es in Fachbüchern. Aber der Satz ist unvollständig. Ein Ausstieg ist dann angesichts der kaum vorhandenen staatlichen Unterstützung nicht möglich! – Derselbe blinde Fleck mußte überwunden werden, als es um die schulische Integration (später: die Inklusion) körperlich wie psychisch und kognitiv beeinträchtigter Mitmenschen ging. Wer würde infrage stellen, daß Merle Müller (und viele andere Überlebende derartiger jahrezehntelanger Folter und Konditionierung/Mind Control) zu dem durch die Behindertenrechtskonvention der UN gemeinten Personenkreis gehört?

Durch das hier vorliegende Zeugnis wird nachvollziehbar, daß das Eingreifen von Strafverfolgungsorganen bei erwachsenen Opfern von Ritueller Gewalt (mit DIS) sich orientieren muß an kindlichen Opfern von Straftaten: es kann nicht gewartet werden, bis das Opfer selbst sich äußert – aufgrund der Ängste und der entwicklungspsychologischen Struktur des Persönlichkeitssystems wird dies eventuell nie geschehen. Für Opfer von Ritueller Gewalt bei bestehender Tätergewalt sind spezielle Anlaufmöglichkeiten nötig. Geschützte Lebenssituationen und interdisziplinäre Vernetzungen müssen zur Verfügung stehen bereits vor der Befreiung. (Dies gilt analog zu Opfern von Zwangsprostitution, die als Erwachsene eingeschleust wurden.) Schutz, auch von eventuellen Kindern (die als Drohung genutzt werden), muß vorrangig sein (analog zu Frauenhäusern). – Die gnadenlose soziale Isoliertheit solcher versklavten Opfer (jedenfalls der allermeisten Persönlichkeitsanteile) ist ein Grundproblem, das Fehlen jeder Erfahrung mit der konventionellen Alltagswelt ein anderes. Wegen der durchgängig schlechten Erfahrungen mit anderen Menschen gibt es kaum Hoffnung auf Hilfsmöglichkeiten in der Außenwelt. Durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit sollte sowohl die Existenz solcher Tatzusammenhänge als auch von Anlaufstellen verbreitet werden. Die Tabuisierung des Themas – weil wir alle solche Schrecklichkeiten nicht wahrhaben wollen und eventuell auch aus anderen Gründen – muß aufgelöst werden.
Menschen in der Gewalt solcher Täterkreise, seien sie noch Kinder oder schon (nominell) Erwachsene, fallen offenbar durch das Netz der administrativen Unterstützungsmöglichkeiten. "Wir tun alles Menschenmögliche!" heißt es häufig bei polizeilichen Pressesprechern, sofern Gewaltverbrechen öffentliche Aufmerksamkeit erreichen. Gilt dies auch bei Gewaltopern wie Merle Müller?

Traumatherapeutische Fachbücher zum Thema Organisierte Rituelle Gewalt sind unersetzbar, über die subjektiven Empfindungen von Opfern können solche Veröffentlichungen kaum etwas vermitteln. Die Realität von multiplen Teilpersönlichkeiten in ihrer (Mit-) Menschlichkeit, ihrem Alternieren zwischen innen und außen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen unterschiedlichen Quellen von Erfahrung und Wissen wird für uns "Unos" (nicht multiple Menschen) wohl immer extrem schwer nachzuempfinden, also letztlich: glaubhaft sein. Eine grundlegende affektive Nähe zu solchen Betroffenen dürfte jedoch Voraussetzung sein, um Opfer extremer Gewalt mit DIS nachhaltig zu unterstützen. Autobiografische Zeugnisse, Selbstberichte und auch die hier vorliegende Dokumentation sind für TherpeutInnen und andere HelferInnen unverzichtbare Ergänzungen der konzeptionell und notwendigerweise verallgemeinernd angelegten Fachveröffentlichungen.

Was tun also? Die Augen zumachen, Merle Müller (und andere Opfer in vergleichbarer Situation) ihrem Schicksal überlassen – mit Verweis auf die Beschränktheit der sozialen, staatlichen, finanziellen, politischen, individuellen Hilfsmöglichkeiten? Gehen die Interessen der Täter und unsere (diejenigen der ganz normalen Bürger) hier konform? Zumindest in ihrer gnadenlosen, bewußt-losen Orientierung an einer beziehungslosen Sexualität sowie an der finanziellen Verwertung von Menschen um jeden Preis stehen diese Täter der gesellschaftlichen Normalität grundsätzlich näher als ihre Opfer.
(Aus der Einleitung)

Die beiden umfangreichen Teile der Dokumentation enthalten den (helferischen und freundschaftlichen) Mailaustausch zwischen verschiedenen Teilpersönlichkeiten von Merle Müller und mir aus den Jahren 2017 und 2018. Der Kontakt besteht fort.
Merle Müller ist noch immer in der Gewalt der Täter.

Erster Teil: WIRD KEINER HELFEN ?
auc-116-merle-mueller-helfen.pdfalt 7,2 MB

Zweiter Teil: VATI HAT MICH !
auc-117-merle-vati.pdfalt 6,1 MB

 
Rachels & Blumen, Janik & Franzi , Laura & Nurse, Adele Anton: RITUELLE GEWALT, AUTISMUS UND MIND CONTROL – AUS UNSERER ERFAHRUNG

Neu im Dezember 2018

Vier Überlebende von Organisierter Ritueller Gewalt sind Autorinnen dieser Veröffentlichung, alle mit Dissoziativer Identitätsstruktur (DIS). Drei von ihnen zeigen dazu unterschiedliche Symptome der sogenannten Autismus-Spektrum-Störung. –
Das Grauen, dem Babys, Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene (meist Frauen) in ideologischen, satanistischen, germanofaschistischen oder sonstigen Gruppen mit Ritueller Gewalt, Zwangsprostitution, psychischer Konditionierung und anderen Formen des organisierten Verbrechens ausgeliefert sind, kann sprachlich nicht angemessen dargestellt werden. Derlei nicht nur zu überleben, sondern darüberhinaus zu einer Form von Heilung zu finden, gelingt allenfalls in vielen Jahren, begleitet von sachkundigen TherapeutInnen und unterstützt von zugewandten HelferInnen, FreundInnen, Angehörigen und (nicht zuletzt) engagierten MitarbeiterInnen von Behörden, Institutionen und Initiativen. Die meisten Überlebenden finden nur wenig von alledem.

Rachel hatte Glück (im Unglück). Seit 1993 gelang es ihr, vierzehnjährig, sich immerhin schriftlich über das seit frühester Kindheit erfahrene traumatische Leid zu äußern. Von Anfang an wurde ihr geglaubt. Der Zugriff von Tätern wurde unterbunden (1995). Rachel hat die verläßliche Unterstützung der Eltern, von TherapeutInnen/Ärzten, EinzelfallhelferInnen (Persönliche Assistenz) und anderen.

Um seelisch zu überleben, entwickelte das Kind Rachel eine Dissoziative Identitätsstruktur (DIS), wie die meisten Opfer von Organisierter Ritueller Gewalt. Jede der unterschiedlichen traumatischen Situationen konnte nur von einem weitestmöglich abgegrenzten (= abgespaltenen, dissoziierten) Bewußtsein (oder Ich) ausgehalten werden. Viele dieser als Überlebenform genuin entstandenen Ichs werden von Tätern in deren Interesse zu bestimmten Tätigkeiten und Verhaltensweisen konditioniert. Oft werden weitere dissoziative Abspaltungen durch gezielte Folter herbeigeführt. Diese haben nur wenig Bezug zu gesunden, allgemeinmenschlichen Empfindungen und Bedürfnissen; sie sind weitgehend oder vollständig orientiert an der Welt der Täterinteressen (inverse Programmierung, Mind Control). Bei Rachel kam diese untergründige Ebene der Mind Control in unserer Therapie erst ab 2014 unübersehbar zutage, – nachdem bereits seit 25 Jahren kein Täterkontakt mehr besteht. In diesem Zusammenhang entstand die vorliegende Publikation.

Rachel galt in den ersten Lebensjahren als "geistig behindert", später wurde Autismus diagnostiziert. Aufgrund der schweren "Verhaltensauffälligkeiten" lebte sie in diesen Jahren in einem Behindertenheim. Durch Gestützte Kommunikation (FC) wurde ab 1993 deutlich, daß sie nichts weniger als kognitiv beeinträchtigt ist. Als in Rachels FC Botschaften zunehmend Hinweise auf sexuelle Gewalt auftauchten – und in Zusammenhang damit die Namen von Lauras Angehörigen –, wurde erst dies zum Auslöser für die Erinnerungen der Mutter an ihre eigene traumatische Kindheit.
Im Zusammenhang mit der Arbeit am ersten Buch UNSER SIEG ÜBER DIE RITUELLE GEWALT (2012, ebenfalls hier bei A+C erschienen) entstand 2011 per Mail die weiter anhaltende online-Therapie mit Rachel & Co.

Im Jahr 2014 öffnete sich eine neue Tür zur Freiheit durch Rachels freundschaftlichen Austausch mit Janik & Franzi, einer ebenfalls autistischen und multiplen Überlebenden von Ritueller Gewalt und Mind Control. Rachels & blumen, Nurse (eine Teilpersönlichkeit der Mutter Laura) und (beratend) Janik & Franzi konnten ab jetzt zusammenarbeiten bei der Aufgabe, Mind Control-Programme im Alltag systematisch durch Gegenprogramme aufzulösen. –

Durch eine Auswahl von Mails zwischen Rachel & Co. und mir aus den Jahren 2011 – 2017/8 knüpft die neue Veröffentlichung an die damalige Dokumentation UNSER SIEG ÜBER DIE RITUELLE GEWALT an. Im Mittelpunkt stehen zwei Themen:

  • > Die Problematik der "inversen", also von den Tätern durch Folter erzwungenen dissoziativen Abspaltungen, die ausschließlich bestimmte Aufgaben im Tätersinn erfüllen sollen und zunächst kaum allgemeinschliche Bedürfnisse haben (Mind control), sowie
  • > Erfahrungen und Hypothesen über Zusammenhänge zwischen Ritueller Gewalt (einschließlich Mind Control) und unterschiedlichen Formen der Autismus-Spektrum-Störung (ASS).

Dazu konnte die nuancierte Abhandlung einer weiteren Überlebenden hinzugefügt werden: Adele Anton (Pseudonym) war täterorientiertes Opfer: eine sogenannte "Programmiererin" innerhalb eines multiplen Systems. Die Texte von Janik & Franzi und Adele Anton sind nicht nur Erfahrungsberichte, sondern darüber hinaus bedenkenswerte Diskussionsgrundlagen der Hypothese, daß autistische Symptomatik (im Zusammenhang mit Struktureller Dissoziation einerseits und Mind Control andererseits) eine schwere Form von Traumafolgestörung darstellen kann.

Mind Control, also inverse Programmierung, wird mittlerweile auch in einigen traumatherapeutischen Fachbüchern differenziert beschrieben. Noch immer wird die Realität solcher Leidensgeschichten von manchen Menschen bezweifelt. TherapeutInnen hätten den Überlebenden etwas eingeredet, heißt es dann gerne. In der vorliegenden Dokumentation ermöglichen uns die Autorinnen Rachels & blumen, Janik & Franzi und Adele Anton einen tiefen, auch emotionalen Einblick in die Realität von Opfern dieser teuflischen Zurichtung von Menschen. Deutlich wird, daß auch sie nicht nur "autistische Multiple" sind; keine Wesen der dritten Art, sondern Mitmenschen, deren Persönlichkeitsentfaltung aufgrund schrecklichster Lebens-bedingungen spezielle Prioritäten entwickeln mußte. Wir können von ihnen lernen, sie können von uns lernen – unser Menschsein verbindet uns. Liebe ist die größte Kraft!

[Aus der Einleitung des Herausgebers Mondrian v. Lüttichau)

Eine Überlebende schrieb im Januar 2019 über diese Veröffentlichung: "Ich habe mich in den letzten Wochen viel mit diesen Seiten beschäftigt, um irgendwie einen besseren Zugang zu meinem vielschichtigen verschachtelten Innen und zu diesem sehr komplexen Thema zu bekommen. Und es ist so eine Erleichterung zu erkennen, dass ich mir das nicht eingebildet habe und dass es diese Form der Menschenabrichtung wirklich gibt! Ich habe so etwas in der Form noch nie vorher gelesen, endlich gibt es Worte für vieles, wofür es vorher nur Sprachlosigkeit gab! Seitdem ich diesen Text und andere Teile des Buches gelesen habe, habe ich den Eindruck, dass der innere Nebel sich etwas lichtet und die Richtung langsam konkreter wird."

Siehe auch die erste Veröffentlichung von Rachel & Co.

 
Maja: ACHTSAMKEIT … oder: Ein kleines Stück Freiheit

Neu im Dezember 2018

Diese Seiten sollen zeigen wie wertvoll das Leben ist.
Wie viele wunderschöne Facetten die Natur, unsere Umwelt zu bieten hat.
Wie schön die Dinge sind, die nicht mit Geld zu bezahlen sind.
Man muss nur achtsam sein, hinschauen und genießen.
Diese Seiten sollen auch für all die Menschen sein, die Probleme haben, kleine und große.
Es soll helfen im Hier und Jetzt zu halten, das Bewusstsein jedes einzelnen zu öffnen.
Dass es helfen kann, sich auf die vorhandenen
wunderschönen Dinge im Leben zu konzentrieren.
Das "Schlimme" für ein paar Momente
hinter sich lassen zu können...

 

 
Günter Steffens: DIE ANNÄHERUNG AN DAS GLÜCK

Neu im September 2018

Erst 1965 publizierte Günter Steffens (1922–1985) einen kleinen Roman unter dem Titel DER PLATZ. Danach war es lange Zeit wieder still um ihn, bis 1976 ein zweites Buch herauskam, der hier erstmalig wiederveröffentlichte autobiographische Roman DIE ANNÄHERUNG AN DAS GLÜCK. Äußerer Anlaß des Buches war das unaufhaltsame Sterben seiner an Krebs erkrankten Frau. Nach ihrem Tod versinkt Leo, der Protagonist, in eine depressive Selbstzerstörung, die zur einzig möglichen Selbstbewahrung wird. Es gibt keinen Trost in sozialer Bestätigung, gar Geborgenheit; Momente von Bewältigung liegen allenfalls noch im sprachlichen Dingfestmachen des Weiterlebens. Aber es gibt kein Gegenüber für diese Erfahrungen.
Der maßlose, ausschweifende, chaotische, zärtliche, hilflose, egozentrisch-narzißtische Bewußtseinsstrom trägt seinen Sinn in sich; kein Satz ist überflüssig – oder jeder Satz könnte es sein: das rhizomatische Prinzip, - ein gewalttätiges Wurzelgeflecht des Lebens; nur so war dem Autor weiterleben noch möglich. Am Ende steht der Impuls, diese drei Jahre nach dem Tod von B zu dokumentieren. – Primum vivere, deinde scribere? Die Aporie des kreativen Menschen ist wohl das innerste Thema dieses Nicht-Romans.
Die Schublade Regression drängt sich auf, ja – aber wie Leo (der Autor?) diesen Sog der Regression (dem möglicherweise eine traumatische Sozialisation vorausging – manches deutet darauf hin) gedanklich und sprachlich formt, legitimiert die regressive Haltung als Lebensbewegung. Auch das kann Leben sein, auch so. Wieviel LEBEN ist in dieser Totenklage über ungelebtes Leben, für die B's Tod nur Anlaß war!
Das Buch läßt sich als bewußt-unbewußte Gegenbewegung zum Karzinom, dem Leben zerstörenden Lebensprozeß verstehen. Das ganze gelebte Leben wird hineingenommen in dieses Buch vom Sterben und vom Tod, wie in den mittelalterlichen Totentänzen. Der sogenannte soziale Abbau der Hauptperson, Leo (des Autors?) ist ein Ringen um Selbstachtung angesichts des schrittweisen Verlusts von Selbstachtung. Zugleich bildet Steffens' Text den Krebs selber ab – die unausweichliche Zerstörung des organischen, seelischen wie sozialen Gewebes. Hoffnungslos entfremdet waren die Beziehungen zwischen den erwachsenen Hauptpersonen seit jeher; erst jetzt wird es offensichtlich.
Sympathisch muß uns der Icherzähler nicht sein; wahrhaftig ist seine Selbstdarstellung zweifellos. Ein qualvoll ehrliches Buch ist das. Und es steht für uns alle, für die unvermeidliche Entfremdung des Menschen (aller Menschen) und der mitmenschlichen Beziehungen zumindest in unserer entwickelten Zivilisation. Für das mehr oder weniger hilflose Bemühen, im Schlamm der (Selbst-)Entfremung authentische, lebenswerte Empfindungen, Interpretationen und Entscheidungen zu erspüren. "Es ist im höchsten Grade wahrscheinlich, ist das ganz Normale, wie alles, was schrecklich ist."
(Aus dem Nachwort)

 

 
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