gototopgototop
Übersicht

Auf diesen Seiten finden Sie zu jedem Buch eine kurze Einleitung und die Möglichkeit, es per Klick auf den PDF-Link zum Lesen zu öffnen. Alle Bücher können Sie kostenfrei speichern und bei Bedarf auch ausdrucken (Seitenformat DIN A 4).

Kostenlose online-Tools ermöglichen die Umwandlung in das e-pub-Format: epub-Converter oder pdf2epub-Tool. Es gibt auch andere.

JAVA-SCRIPT sollte aktiviert sein. Beachten Sie ggf. auch die Hinweise im Menüpunkt HILFE !

Eine unkommentierte schnelle Übersicht mit Links zu allen Titeln gibt's im sitemap.



Mondrian w. graf v. lüttichau (Hrsg.): VON DEN ELTERN

 Daß der versuch, meine psychosoziale entwicklung, mein gewordensein zu verstehen, sich als roter faden durch alles hindurchzieht, was mir im leben wichtig wurde, kann ich mir erst jetzt eingestehen, im rückblick.
Wohl erst aufgrund der durch den tod meiner eltern ermöglichten abgrenzung von ihnen fand ich den nötigen freiraum, mir wirklich gedanken zu machen auch über ihr leben, über ihre wahrheiten.

Diese veröffentlichung von briefen, aufzeichnungen, dokumenten und kommentaren könnte einiges von der pathologischen, leidvollen und (vor allem für die eltern) tragischen psychodynamik in meinem elternhaus vermitteln – und ist eine wichtige ergänzung zu meinen früheren darstellungen, die ich gleichwohl in keinem satz relativieren oder korrigieren kann. – Mithilfe ihrer briefe und aufzeichnungen habe ich manches von meinen eltern besser verstehen gelernt. Ich hoffe und glaube, daß durch diese dokumentation verständnis für ihr seelisches wie soziales schicksal auch bei außenstehenden entstehen könnte.

Solch nachträgliches verständnis für eltern führt allzu oft dazu, daß die erwachsen gewordenen kinder ihr eigenes kindheitsleid umdefinieren und verdrängen – mit weitreichenden folgen.
Etwas wie "nachgetragene liebe" (peter härtling) gibt es auch bei mir, - gleichwohl bin ich vorbehaltlos solidarisch mit dem kindlichen wolfi, in der zermürbenden beziehungs- und orientierungslosigkeit seines elternhauses. Es ist keine gesunde form von aufarbeitung, kindliches leid zu relativieren mit dem leid der dazugehörigen eltern!

Im vordergrund des verhältnisses zwischen meinen eltern und mir steht meines erachtens nicht unbedingt schuld, sondern eine tragik, in der mein elternhaus exemplarisch ist für allzu viele familien: Symptome früherer psychischer verletzungen werden (bei funktionierender sozialer fassade) in der nächsten generation ausagiert und bewirken dort neue psychische belastungen..

In dieser dokumentation soll zumindest ansatzweise etwas von der wahrheit meiner eltern deutlich werden – nicht zuletzt ihr oft hilfloses bemühen, mir gerecht zu werden und mich zu unterstützen – im rahmen ihrer seelischen möglichkeiten und ihres verständnisses.

Weitere fotografien aus dem umkreis meines elternhauses finden sich in meinem flickr-account, - hier!

 

 
Anna Schack: DAS HAUS Nr. 131

 

Luftkrieg im zweiten weltkrieg? Zerstörte deutsche städte? – Für uns nachkriegsgeborene sind das kaum mehr als worte. Die städte sind wieder aufgebaut, die meisten zeitzeugen sind tot, und im übrigen war das NS-deutschland ja selber schuld. – Dieser hier erstmals wiederveröffentlichte, bereits 1946 erschienene versuch einer romanhaften darstellung der entsprechenden erfahrungen dokumentiert hautnah, geradezu filmisch die situation von weder verfolgten noch antinazistisch aktiven deutschen während der luftangriffe auf düsseldorf, ab 1941.

Alltag im wissen, daß in den nächsten stunden die eigene wohnung ein trümmerhaufen sein kann, völlig unvorhersehbar der fliegeralarm, dann hilfloses verharren im luftschutzkeller angesichts der sicheren lebensgefahr durch verschüttung, verbrennung oder durch brandgase. Kein kämpfen, keine flucht ist möglich; und hinterher die suche nach angehörigen, die oft nur als leichenteile gefunden werden.. – Heute wissen wir, daß solche situationen zumeist traumatisierend wirken. Verleugnung und rationalisierung, kompensationen, traumatische erstarrung und abspaltung (dissoziation) sind, in mancherlei varianten, im buch dargestellte auswirkungen. Sie haben – auch das wird erst seit wenigen jahren (an)erkannt – das seelenleben der überlebenden geprägt bis zu ihrem tod. Zweifellos entstanden in der generation unserer großeltern und eltern häufig traumafolgeschädigungen, die sich direkt oder indirekt ausgewirkt haben in unserer eigenen kindheit.

Im gegensatz zu den isolierten zitaten von luftkriegsbetroffenen, wie sie in manchen fach- und sachbüchern dokumentiert werden, bleiben entsetzliche, von zerstörung und todesangst geprägte situationen im vorliegenden buch verwoben in den unprätentiösen, privatistischen, banalen alltag mit seinen menschlich-allzumenschlichen bedürfnissen und konflikten; darin liegt ein besonderer wert der darstellung, für deren grundsätzliche authentizität auch die veröffentlichung bereits im jahr 1946 spricht. Sicherlich hat sich die autorin ihren figuren – jenseits unterschiedlicher ideologischer standorte – verbunden gefühlt; zweifellos hat auch anna schack im luftschutzkeller gesessen und ist vor dem feuersturm geflohen.

Anna schack vertritt deutlich die anschauung von der verführung der deutschen durch die nazis, mit wesentlicher unterstützung durch karrieristen, grundlegend verbrecherisch oder/und psychopathologisch motivierte personen und ruhmestrunkene jungsoldaten. Darüberhinaus geht es ihr um den wahnsinn des krieges an sich. Die systematische zerstörung von menschenleben und menschenwerk – wozu?? Nachdenken über politische hintergründe ist allerdings bei der autorin so wenig zu finden wie bei ihren figuren..

Mitherausgegeben von DISSOZIATION UND TRAUMA.
Nachwort mondrian v. lüttichau.

 

 
Ulrich Acksel: SCHNURREN UND SCHNAKEN AUS DER LAUSITZ

 

Ein tiefsinniger eulenspiegel (jahrgang 1942) erzählt vom alltag in ostdeutschland und der DDR - aus seinem ganz eigenen blickwinkel: humorvoll und menschenlieb, aber auch eigenwillig und unbequem, als kreativer erlebnisgastronom (seit 1970! in der DDR!) ein begnadeter organisator zwischen SED-bürokratie, mangelwirtschaft und den allzumenschlichen untiefen in dem lausitzer städtchen. Ulrich acksels geschichten dürften selbst gelernte DDR-bürger erstaunen. Fein gewürzt mit einer prise magie und einem schuß ostalgie, zeigen sie kaleidoskopische sequenzen eines selbstbestimmten lebens - das jedoch immer wieder seinen preis gefordert hat.

Ich möchte an dieser stelle hinweisen auf das 2013 erschienene 'Brandenburgische Hausbuch', in dem auf 550 seiten rund 200 autorInnen aus mehreren jahrhunderten zu wort kommen mit sagen und anekdoten, gedichten und erzählungen, satiren, briefen, zeitzeugenberichten und erinnerungen. Auch ulrich acksel ist darin vertreten.

 

auc-61-acksel.pdfalt 1,64 MB 

 
Eugen Diesel: ZIVILISATORISCHER FIRLEFANZ - Verdinglichung mit Perspektiven 1926 & 1947

  (Herausgeber: mondrian v. lüttichau)                                                                                         

Der nahezu vergessene technikphilosoph eugen diesel (1889-1970) hat lebenslang nachgedacht über perspektiven der zivilisation. Es ging ihm um die fatalen gesellschaftlichen auswirkungen von technik und organisation, von rationalisierung und bilanzierung, von werbung und konsum in unserer zeit. Kritik an der verwissenschaftlichung des denkens (des "geistes") und der bürokratisierung der sozialen prozesse. Die verdinglichung von organismen, begriffen, ideen/einfällen, von zeit/geschwindigkeit. Der "totale" staat. - Dies nicht im sinne maschinenstürmerischer rückwärtswendung zu "blut und boden" oder "goetheschem geist", sondern als techniker, als genuin systemischer, humanökologischer und rhizomatischer denker, ideologiekritisch, manchmal mit bitterer ironie, aber ehrlich auf der suche nach lebenswerten perspektiven, - und ohne momente von ratlosigkeit zu verschweigen.

Für diesel, dem kreatives verständnis für maschinen, regelungstechnik (als grundlage der kybernetik) und organisation zweifellos schon vom vater (dem motorenerfinder) nahegebracht wurde, ist die progressive verdinglichung der menschenwelt sinnlich (auch psychologisch) greifbarer als für viele politiker oder gesellschaftskritische intellektuelle, die sich mit "technischem" nicht befassen mögen. Seiner darstellung kommt das zugute. Eugen diesel verdeutlicht uns problematische grundmuster, die aktuell geblieben sind; - in mancher hinsicht sind sie heute, im "informationstechnischen" zeitalter von "postmoderne", "radikalem konstruktivismus", "beschleunigung" und "globalisierung", sogar besser zu erkennen als damals. Er nimmt uns mit auf seine suche nach möglichkeiten einer zu irreversiblen entwicklungen kompatiblen gegenbewegung, mit der zunehmend zerstörerisch werdende positive regelkreise möglicherweise ausgeglichen werden könnten.

Sinnlich greifbar wird uns in seiner darstellung die alltägliche, unmerklich und geradezu selbstverständlich fortschreitende verdinglichung, instrumentalisierung unserer welt - und unseres bewußtseins! - Derzeit erleben wir entsprechende prozesse hautnah mit im bereich der digitalen technik: google, social networks, e-bay, amazon, virtuelle welt, blogs, chat rooms, i-phone.. Fortschritte ohne zweifel - aber wohin? Nutzen wir ihre möglichkeiten selbstbestimmt oder passen wir uns ihren vorgaben "automatisch" an? Welche freiräume und erfahrungen werden verstellt durch das neue?

Es könnte nützlich sein, aus der zeitlichen distanz seines blickwinkels konkret und alltäglich über entfremdung, verdinglichung, mechanisierung des heutigen lebens nachzudenken - achtsam für unseren alltag - im bemühen, wahlmöglichkeiten zu erkennen, freiräume, in denen gegenbewegungen zur progressiven verdinglichung sich entfalten können - wenn auch "nur" für unseren individuellen einflußbereich. "In dem erstaunlich verwickelten Gewebe steht jeder von uns an einem Knotenpunkt, worin tausende der ungleichartigsten Fäden zusammenlaufen", schreibt eugen diesel; darin liegt auch ein potential!

Als erstmalige wiederveröffentlichung werden hier zwei texte eugen diesels nebeneinandergestellt: 'Die Krise der Lebendigkeit' (1926) und 'Das Schicksal der Menschheit im Zeitalter der Technik' (1947). - Mit vorwort des herausgebers.

 

auc-43-diesel.pdfalt 1,08 MB     

 
Roswitha Bitterlich: EULENSPIEGEL. Elf Radierungen (1941)

 

Roswitha bitterlich wurde 1920 in bregenz geboren und bald als zeichnerisches "wunderkind" entdeckt. Ihre erste ausstellung wurde 1935 in wien eröffnet. Weitere ausstellungen fanden 1936 in prag, 1937 in amsterdam, rotterdam und kopenhagen statt, 1938 in london, zürich und den haag, 1939 in münchen und stuttgart. 1951 folgte eine ausstellung in New York. 1945 heiratete sie den katholischen publizisten und NS-widerstandskämpfer michael brink (dessen hauptwerke bei A+C wiederveröffentlicht wurden). Nach brinks tod 1947 wanderte die künstlerin nach brasilien aus, wo sie seither lebte.

Im folgenden verzichtete sie auf weitere ausstellungen und konzentrierte sich auf religiöse motive. Bereits die in der kindheit entstandenen arbeiten zeugen von einer dem menschen zugewandten genuinen spiritualität. Aber in welche welt wuchs sie hinein! Ihre verweigerung einer populären, kommerziellen "karriere" erscheint nachvollziehbar. Tiefe, existenzielle nähe ist dagegen zu ahnen zu dem gefährten michael brink, der ihr nach wenigen jahren wieder entrissen wurde.

Die hier erstmals wiederveröffentlichten radierungen erschienen 1941 in der J.G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger Stuttgart.

Roswitha wingen-bitterlich starb am 10. dezember 2015 in brasilien.

 

 
<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Seite 10 von 20
Increase Font Size Option 5 Reset Font Size Option 5 Decrease Font Size Option 5